Palatina Verlag Heidelberg
Titelblatt

Norbert Marxer

Praxis statt Theorie!

Leben und Werk des Nürnberger Arztes, Alchemikers und Fachschriftstellers Johann Hiskia Cardilucius (1630-1697)

(=Studien und Quellen zur Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit, Bd. 1)

285 Seiten

Gebunden

ISBN 978-3-932608-07-0

45,00 EUR / 78,00 SFr

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"Theoria cum praxi" lautet das Motto, das 1696 der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) über sein Werk stellte. Leibniz zufolge sollten die durch die Wissenschaften gewonnenen Erkenntnisse zum Nutzen der Gesellschaft in die Tat umgesetzt werden. Zur Weitergabe seines Wissens bediente er sich hingegen zumeist nicht der Landessprache, sondern der Sprachen der res publica litteraria, Lateinisch und Französisch, womit er eine Rezeption dieses Wissens in weniger gebildeten Kreisen erschwerte.

Mit der Forderung "Praxis statt Theorie" kann die Maxime eines Zeitgenossen und Bekannten Leibniz' umschrieben werden, der seine Schriften fast ausschließlich in deutscher Sprache publizierte: Johann Hiskia Cardilucius (1630-1697). Cardilucius mahnte zur Abkehr von der Buchgelehrsamkeit, betonte die "Nützlichkeit" als Maßstab jeglichen literarischen Schaffens und verlangte von den Ärzten seiner Zeit die Hinwendung zu buchstäblich "eigenhändiger" Arbeit.

Dem Leben und Werk dieses frühneuzeitlichen Chemiaters und Fachschriftstellers widmet sich die vorliegende Studie, die zudem zur Erhellung des ausgehenden 17. Jahrhunderts, einem pharmaziehistorisch bislang wenig untersuchten Zeitraum, beitragen will. Die Medizin dieser Epoche löste sich zunehmend von den klassischen und arabisch-mittelalterlichen Autoritäten, nutzte aber weiterhin die tradierten Therapiekonzepte. So gaben die vermehrten anatomischen und physiologischen Kenntnisse zwar Anlaß zu neuen mechanistischen Krankheitsmodellen, vermochten jedoch der Arzneimitteltherapie keine neuen Impulse zu geben. Die praktischen Ärzte des Barockzeitalters bedienten sich weiterhin der antiken Säftelehre oder beriefen sich, wenn sie zum antigalenistischen Lager zählten, auf die chemiatrischen Erklärungsmuster des Paracelsus (1493/94-1541).

Cardilucius hinterließ mit 22 Schriften, die zum großen Teil in mehreren Ausgaben erschienen, ein sehr umfangreiches Opus. Dieses Werk ließ es lohnend erscheinen, nicht nur die medizinisch-pharmazeutische Position seines Urhebers in einer von Gegensätzen geprägten Epoche herauszuarbeiten, sondern auch seine Haltung zu anderen Streitfragen seiner Zeit, die vor allem die Etablierung der deutschen Fachsprache und die Ausbildungsreformen des 17. Jahrhunderts betreffen, zu untersuchen.

Die Historiographie würdigte das Werk Cardilucius' bislang nur bruchstückhaft. Daher war es das Ziel der vorliegenden Studie, anhand von Quellen die Biographie des Cardilucius offenzulegen, seine medizinisch-pharmazeutische Position zu bewerten und seine Leistungen auf fachliterarischem und pädagogischem Sektor abzuschätzen.

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