Palatina Verlag Heidelberg
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Johann Anselm Steiger

Schule des Sterbens

Die 'Kirchhofgedanken' des Andreas Gryphius (1616-1664) als poetologische Theologie im Vollzug

95 Seiten

Gebunden

ISBN 978-3-932608-15-5

14,00 EUR / 25,60 SFr

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Die im Jahre 1657 im Druck erschienenen "Gedancken/ Vber den Kirchhoff vnd Ruhestädte der Verstorbenen" des Andreas Gryphius haben seit je die Aufmerksamkeit der germanistischen Forschung auf sich gezogen. Eine theologische Analyse dieses Textes jedoch steht noch aus. Vorliegendes Büchlein will dazu beitragen, diese Lücke zu füllen, und angesichts des in jüngster Zeit wachsenden konfessionsübergreifenden Interesses an poetologischer Theologie einen interdisziplinären Diskussionsbeitrag zum Vollzug derselben in der Frühen Neuzeit leisten.

Innerhalb der Interpretation der "Kirchhofgedanken" muß der Theologie des zeitgenössischen Luthertums und insbesondere der Eschatologie sowie der sogenannten ars moriendi verstärkt Beachtung geschenkt werden. Auf dem Wege der Einzelinterpretation eines zentralen Textes Gryphius' soll versucht werden, einen Beitrag zur Erhellung des genuin lutherischen Hintergrundes des Schaffens dieses Dichters zu leisten, ohne dabei die eminent wichtigen Anregungen aus dem Auge zu verlieren, die Gryphius von seiten des Jesuiten Jacob Balde (1604-68), insbesondere durch die Übersetzung von dessen beiden "Enthusiasmen", erfahren hat. Bei näherem Hinsehen wird ohnehin deutlich, daß es -zumal auf dem Gebiet der Frömmigkeit - innerhalb der lutherischen Orthodoxie bei aller polemisch-theologischen Markierung der Konfessionsgrenzen dort, wo man sich mit römisch-katholischen Autoren einig wissen durfte, eine nicht unerhebliche Bereitschaft zur Rezeption jesuitischer Impulse gegeben hat. Dort, wo dies passiert (etwa innerhalb der lutherischen casus-conscientiae-Literatur), wird man nicht - wie häufig üblich - eine zum "offziellen" Luthertum querstehende Apostatenbewegung wittern dürfen, sondern zu lernen haben, daß dieses Phänomen ein Charakteristikum der lutherischen Orthodoxie selbst ist. Gleichwohl ist auch in der jüngsten Gryphius-Forschung nicht selten das Interesse leitend, Gryphius in einer den Quellen nicht Genüge tuenden Weise vom zeitgenössischen Luthertum abzurücken.

Für die Illustration des theologisch-dogmatischen sowie des poimenischen Hintergrundes der "Kirchhofgedanken" wird in exemplarischer Weise vor allem auf ausgewählte Schriften Luthers und Johann Gerhards zurückgegriffen, aber auch andere Autoren werden berücksichtigt. Der gebotenen Knappheit halber erschien es allerdings tunlich, den Anmerkungsapparat nicht mit zu mannigfaltigem Material aufzublähen. Zudem lohnt es sich, die "Kirchhofgedanken" insbesondere im Kontext der "Leichabdankungen" zu lesen, was unter anderem auch durch die Tatsache nahegelegt wird, daß Gryphius in letzteren erstere zitiert.

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